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Die richtigen Fragen stellen

By Adrian Gonzalez,
Ask Good Questions

Sie benötigen eine Lösung für die Transportoptimierung?

Eine überraschend hohe Zahl an Führungskräften im Transport- und Logistikbereich würde diese Frage mit „Nein" beantworten. Sie würden sagen: „Unser Betrieb ist nicht so komplex.“ oder „Wir versenden fast immer ganze Wagenladungen, da gibt es nichts zu optimieren.“

Wenn Sie dieselben Führungskräfte jedoch fragen: „Möchten Sie, dass Transport und Logistik in Ihrem Betrieb so effizient und kosteneffektiv wie möglich ablaufen und gleichzeitig alle Kundenanforderungen erfüllt werden?“, würden alle mit „Ja" antworten (jedenfalls sollte man das hoffen).

Laut Wörterbuch bedeutet „optimieren“ so viel wie „etwas so perfekt, effektiv oder funktional wie möglich zu machen.“ Ist das nicht genau das, wofür die Transportbranche bezahlt wird? Aus dieser Perspektive betrachtet ist Optimierung mehr als eine Möglichkeit. Sie ist Bestandteil der DNA des Transportmanagements.

Wie kommt es also zu diesen zwei so unterschiedlichen Reaktionen?

Auf ständige Verbesserungen ausgelegt

Ich glaube es liegt daran, dass viele Transport- und Logistikexperten Optimierung einfach falsch auslegen.

Sie sehen Optimierung als Softwareanwendung und nicht als den Wunsch nach ständiger Verbesserung.

Ja, Technologie ermöglicht Verbesserungen, aber am Anfang des Prozesses, den Transport „so perfekt, effektiv oder funktional wie möglich“ zu machen, stehen nicht Algorithmen und mathematische Formeln. Am Anfang stehen entscheidende Fragen wie:
  • Versenden wir Bestellungen vom bestmöglichen Standort aus (Vertriebszentrum vs. Filiale vs. Drop-Shipping)?
  • Welche Auswirkungen hätte es auf Kosten und Service, wenn wir die Lieferzeit um einen Tag verlängern würden?
  • Sind Teilladungen (less-than-truckload, LTL) immer noch die richtige Option für unsere Lieferungen? Was ist mit kontinuierlichen Multistopps?
  • Sollten wir in unserem Netzwerk Cross-Docking oder Pool-Punkte nutzen?
  • Warum steht vor unserer Rampe immer eine Schlange von LKWs, die darauf warten, be- oder entladen zu werden?
  • Wäre es sinnvoll, eigens für bestimmte Strecken eine spezielle Flotte einzusetzen?
  • Setzen wir unsere Transportausgaben so effektiv wie möglich ein?
  • Warum zahlen wir so viel für Zusatzgebühren?

Egal, wie einfach oder komplex sich Transportabläufe bei Ihnen gestalten: Sie sollten immer Fragen stellen, die den Status Quo hinterfragen und nach Gelegenheiten suchen, Kosten einzusparen, den Service zu verbessern, Risiken zu reduzieren und das Kundenerlebnis zu optimieren.

Wie beantworten Sie diese Fragen?

Trends in Sachen Transportoptimierungslösungen

An dieser Stelle kommt Technologie ins Spiel, genauer gesagt Transportmanagementsysteme (TMS) mit Optimierungsfunktionen.

Unternehmen können Optimierungslösungen nutzen, um Führungs-, Taktik- und Strategiefragen zu beantworten. „Können wir mehrere LTL-Sendungen zu einer vollen LKW-Ladung verbinden“, ist ein klassisches Beispiel für eine Frage aus Management-Perspektive. „Welche Strecke sollten unsere LKWs für die morgige Lieferung nehmen?“, ist ein weiteres Beispiel, insbesondere für Unternehmen mit Privatflotten, die die gefahrenen Kilometer minimieren und gleichzeitig die Zeitfenster für die Zustellung beim Kunden einhalten möchten.

Beispiele für eher taktische und strategische Fragen sind: „Welche Auswirkungen hätte es auf Kosten und Service, wenn wir 20 Prozent unseres Volumens auf kombinierten Verkehr umstellen?“, und „Sollten wir bei eingehenden Anlieferungen von Vorkasse auf Nachnahme umstellen?“

Eine ausführliche Diskussion der verschiedenen verfügbaren Arten von Transportoptimierungslösungen und ihrer Funktionsweise würde den Rahmen dieses Posts sprengen, aber ein paar Trends sind dennoch bemerkenswert:
  • Um eine Transportoptimierungslösung nutzen zu können, benötigen Sie keinen Doktortitel. Lösungen sind heute viel anwenderfreundlicher, anpassbarer und intuitiver als in der Vergangenheit.
  • Führende Lösungen verwenden dynamische Optimierungs-Engines für die Ausführung. Im Gegensatz zu statischen Optimierungs-Engines, die die beste Lösung auf Grundlage einer Momentaufnahme (die sehr schnell an Aktualität verlieren kann) ermitteln, findet bei dynamischen Optimierungs-Engines eine permanente Analyse statt, sodass sich parallel zum Eingang neuer Aufträge oder Ausnahmen neue bessere Lösungen finden lassen.
  • Auch der Umfang der TMS-Optimierung weitet sich über das Management hinaus in die Bereiche Taktik und Strategie aus. Optimierung in Bezug auf Managementfragen war immer ein Teil führender TMS-Lösungen, taktische und strategische Optimierung hingegen fand über separate, für sich stehende Anwendungen statt. Da aber alle drei Arten der Optimierung TMS-Daten als Grundlage nutzen, erweitern TMS-Anbieter ihre Plattformen um Taktik- und Strategiefunktionen.

Bei der letzten Manhattan Momentum 2019-Konferenz hat beispielsweise Dr. Kimberly Ross, VP von Science at Manhattan, einen Überblick über die Transportation-Modeling-Kapazitäten des Unternehmens gegeben. Hierzu zählten auch diverse Anwendungsfälle, darunter Netzwerkdesign, Richtlinienbestimmung für die eigene Flotte im Gegensatz zu öffentlichen Transportunternehmen sowie Flottengröße. „Transportation-Modellierung wurde dazu entwickelt und geschaffen, Ihnen dabei zu helfen, die Auswirkungen einer Entscheidung auf Ihr Transportnetzwerk zu evaluieren“, kommentierte Dr. Ross in ihrer Präsentation. „Dies wird durch eine Kombination aus Optimierung, Simulation und Analyse erzielt.“

Die richtigen Fragen stellen

Vor ein paar Jahren stieß ich auf die folgende Geschichte, die am 19. Januar 1988 in der New York Times veröffentlicht wurde:

Physiknobelpreisträger Isidor I. Rabi wurde einmal gefragt: „Warum sind Sie Wissenschaftler geworden und nicht Arzt oder Anwalt oder Geschäftsmann wie die anderen Immigrantenkinder in Ihrem Viertel?“

„Meine Mutter hat mich zum Wissenschaftler gemacht, ohne dass es ihr bewusst war. Viele jüdische Mütter in Brooklyn würden ihre Kinder nach der Schule fragen: „Und? Hast du heute etwas gelernt?“ Nicht jedoch meine Mutter. Sie stellte mir immer eine andere Frage. Sie sagte: „Izzy, hast du heute eine gute Frage gestellt?“ Dieser Unterschied – gute Fragen zu stellen – war es, der mich zur Wissenschaft geführt hat.“

Dieser Unterschied ist es auch, der Transport-Führungskräfte erfolgreich macht.

Transportoptimierung – also ein Transport, der „so perfekt, effektiv und funktional wie möglich“ ist – beginnt mit dem Stellen der richtigen Fragen. Das Entwickeln von Fragen, ihre Weiterentwicklung und Priorisierung, wird sie zu neuen Ideen und Erkenntnissen darüber führen, wie Sie Ihre Transportabläufe verbessern können. Allerdings können Sie diese Fragen – selbst jene, die auf den ersten Blick einfach erscheinen – nicht mit Excel-Tabellen oder Berechnungen auf der Rückseite eines Briefumschlags beantworten.

Die Antwort lautet also: Ja, Sie brauchen eine Transportoptimierungslösung.

Über Adrian Gonzalez

Adrian Gonzalez ist Berater und führender Branchenanalyst mit mehr als 20 Jahren Forschungserfahrung in den Bereichen Transportmanagement, Logistik-Outsourcing sowie weiteren Lieferketten- und Logistikthemen. Er ist Gründer und Präsident von Adelante SCM, einer Peer-to-Peer-Learning-, Networking- und Forschungs-Community für Fachkräfte im Bereich Lieferketten und Logistik. Zu den Dienstleistungen von Adelante gehören Talking Logistics, eine Online-Video-Talkshow nebst Blog, zu der Experten und Meinungsmacher der Lieferketten- und Logistikbranche beitragen, sowie Indago, ein Marktforschungsservice, der eine Community aus Lieferketten- und Logistikfachkräften zusammenbringt, um praktisches Wissen und Ratschläge auszutauschen und gleichzeitig den guten Zweck zu unterstützen.

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